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Schulgeschichte


Schulgeschichte1
 
 
Die Entstehung der Leonardo da Vinci Gesamtschule Wolfsburg, eingebettet in die Stadtgeschichte Wolfsburgs
Auszug aus:
Hans Karweik: Integration und Bildung, in: Uwe Sandfuchs / Clemens Zumhasch / Hans Karweik / Arne Sewing (Hrsg.): Bilingue e interculturale. Konzept, Praxis und Evaluation der Deutsch-Italienischen Gesamtschule Wolfsburg, Bad Heilbronn, 2013

In Kultur, in Handel, in der Politik, im Vereinsleben sind die Italiener überall im gesellschaftlichen Leben Wolfsburgs vertreten. Parallel dazu haben sie sich bei Volkswagen, insbesondere im Betriebsrat als IG-Metall-Vertreter Ansehen erworben. Das Unternehmen, heute ein Global Player mit weltweiten Absatzmärkten, baut und verkauft italienische Autos. Ganz oben im Segment steht der Lamborghini. Ihm ist in der Autostadt ein Markenpavillon in ganz eigenwilliger, dynamisch-eleganter Architektur gewidmet. Aber schon das erste VW-Cabriolet, der VW 1500 Karmann Ghia, bestach 1961 durch sein elegantes Aussehen.

Die ersten italienischen Gastarbeiter trafen im Januar 1962 ein. Ein Jahr zuvor, mit dem Berliner Mauerbau von 13. August 1961, riss der Strom der Republikflüchtlinge ab. So bezogen im Januar 1962 die ersten 150 Italiener die Holzhäuser in den Allerwiesen. Sie arbeiteten in der Endmontage und im Presswerk. Die VW-Sozialabteilung nahm sich ihrer sofort an. Oberstadtdirektor Wolfgang Hesse bat die Bürger Wolfsburgs um Freundlichkeit und eine positive Einstellung sowie Verständnis für andere Eigenarten. Die IG Metall verteilte sofort ein Mitteilungsblatt in italienischer Sprache: Caro collega italiano, stand darauf als Anrede. Es waren fast ausschließlich ledig gehende Männer. Sie wollten in einem Leben zwischen Band und Bett für ihre Familien in Italien Geld verdienen. An einen längeren Aufenthalt, gar an Auswanderung dachten sie in den seltensten Fällen. Noch im Juli 1962 brachte der erste Urlauber-Sonderzug 850 Italiener während der Ferien in ihre Heimat. Er fuhr 30 Stunden bis Neapel. Die andere Hälfte der Migranten aber blieb in Wolfsburg.

Geblieben sind inzwischen Tausende. Bis heute sind die Italiener mit gut 6000 Bürgern die größte nicht deutsche Bevölkerungsgruppe Wolfsburgs. Innerhalb des Konsularbezirks Wolfsburg leben sogar rund 11000 Italiener nach Angaben der Konsularagentur. Denn viele Familien haben inzwischen gebaut, wo das Grundstück billig war: in den umliegenden Gemeinden der Landkreise Gifhorn und Helmstedt. In der Volkswagenstadt haben sie sich teilweise gern selbstständig gemacht. Vor allem die Generation der heute 40- bis 55-Jährigen, unter ihnen sehr viele Frauen. 242 Unternehmen mit rund 1400 Beschäftigten zählte die Konsularagentur.

Es sind Restaurants, Fachgeschäfte für Kinderkleidung und Mode, Möbel und Porzellan, vor allem Wein und Fisch und landestypische, auch regionale Spezialitäten, dann Frisöre, auch ein Bau-Unternehmen, das unter anderem in Reislingen den Campo Mediterraneo gebaut hat. Zudem haben sich italienische Unternehmen in Wolfsburg niedergelassen, die mit Volkswagen zusammen arbeiten, so in der Entwicklung von computergesteuerten Systemen für Automobile. Oder die diese Stadt als Ausgangspunkt für ihre über Deutschland hinaus gehenden Geschäfte innerhalb der Europäischen Union ansehen.
 

Mit den Frauen kamen die Kinder

Der Nachzug der Frauen, die Eheschließung mit deutschen Frauen, später auch Männern, die Gründung von Familien überhaupt, führte zur Bildungsfrage. Schon Mitte der 1960er-Jahre ging es fortan nicht mehr allein um ledig gehende Männer, sondern um Familien und um Kinder, auch um Schulkinder. Im Mai 1965, ein Schuljahr begann und endete um Ostern, wurden die ersten italienischen Kinder in einer so genannten Übergangsklasse in der Schillerschule eingeschult. Es waren 6- bis 14-Jährige. Rom entsandte den Pädagogen Umberto Fantauzzo. 16 Stunden Deutsch gab ein deutscher Lehrer die Woche. VW stellte einen Bus zur Verfügung, da die Schüler aus verschiedenen Stadtteilen kamen. Die Klasse umfasste 60 Kinder. So kam denn auch an Weihnachten die Befana. Das ist eine gute Hexe, die in Italien am 6. Januar, dem Dreikönigstag kommt und Kohle oder Gaben bringt – je nach Artigkeit. So wie in Deutschland der Nikolaus am 6. Dezember, dem Nikolaustag.

Das ist eine Zeit lang gut gegangen, aber die Familien verlangten mehr Italienisch, wollten auch eine schulische Vorbereitung ihrer Kinder für den Fall der Rückkehr. Im Dezember 1974 reagierte die Stadt Wolfsburg auf die veränderte Lage mit einem neuen Angebot für italienische Schüler. Jede Woche gingen sie fortan 5 bis 6 Stunden länger als die deutschen Kinder zur Schule. Sie erhielten muttersprachlichen Unterricht und Unterricht in Geschichte und Landeskunde Italiens. Dieses Angebot machten die Laagbergschule, die Grundschule 21 in Westhagen, die Altstadtschule Vorsfelde und die Grundschule 17 in der Kreuzheide. Wenige Monate später schloss sich die katholische Eichendorffschule an. Den Unterricht erteilten italienische Lehrer. Die Stadt richtete sogar eigene Schulbuslinien ein und veranlasste die betroffenen Schulen, ihre Unterrichtspläne darauf abzustellen.

Ziel war und blieb es, die Bildungschancen italienischer Kinder zu erhöhen. Dabei suchte die Stadt Wolfsburg neue Wege und die Zusammenarbeit mit den konsularischen italienischen Behörden. Zur Verbesserung der Vorbereitung auf allgemeine Schulklassen führte die Stadt Wolfsburg im November 1977 in Zusammenarbeit mit dem Schulkomitee am Konsulat Hannover die Nachmittagsbetreuung ein. Die Kinder sollten nach dem Unterricht in den Vorbereitungsklassen der Laagbergschule bleiben. Nach Einnahme eines Mittagessens wurden sie sozialpädagogisch betreut. Dabei wurde auch der Vormittagsunterricht noch einmal aufgearbeitet. Hinzu kamen Hausaufgabenhilfe, Kontaktbörse und Freizeitangebote. Es standen gerade einmal 75 Plätze zur Verfügung. Die Stadt stellte dafür sogar als Kommune zwei italienischsprachige Lehrer und einen zweisprachigen Sozialpädagogen ein. Die Sachkosten teilten das Land Niedersachsen, das Italienisches Konsulat in Hannover und die Stadt Wolfsburg untereinander auf.
 

Erschreckend schlechte Abschlüsse

Über die Lage 1978 schrieb in einem Leserbrief an die WN Gisella Carloni: 900 italienische Kinder besuchen die deutsche Schule. Etwa 60 Prozent von ihnen nehmen zusätzlich am muttersprachlichen Unterricht teil. Aber jedes neu aus Italien kommende Kinder werde in eine mit 16 bis 19 Schülern völlig überforderte Anschlussklasse gesteckt, an der italienische Lehrer sie in 6 Monaten befähigen sollen, dem regulären deutschen Unterricht zu folgen. Das sei kaum möglich.

Die erschreckend schlechten Schulabschlüsse, die hohen Sonderschul-Zuweisungen schreckten im März 1979 die Verantwortlichen auf. Im vorangegangenen Schuljahr gelang es keinem italienischen Jugendlichen aus Kästorf, die Schule mit einem Abschlusszeugnis zu verlassen. Ein hoher Prozentsatz wurde auf die Sonderschule überwiesen. Um ihnen zu helfen, haben Italiens Schulrat und deutsche Behörden von Land und Stadt, eine tägliche Hausaufgabenbetreuung in Wohnortnähe eingerichtet. Unter anderem für 86 Kinder der Laagbergschule und 75 am Schulzentrum Kreuzheide beziehungsweise der Grundschule Alt-Wolfsburg. In Kästorf befand sich damals eine geschlossene italienische Siedlung.

Eine kommunale, ämterübergreifende Bestandsaufnahme bestätigt die Kästorfer Zahlen. Die Sorge vor einem analphabetischen Proletariat zwang die Verantwortlichen zum Handeln. „Es
ist fünf Minuten vor Zwölf“, warnte der Leiter des Ausländerreferates, Antonio di Virgilio. „Schlechte Zeugnisse, kein Abschluss – kein Job und Abgleiten in Arbeitslosigkeit (vielleicht auch Kriminalität) liegen nahe“, kommentierte Redakteur Jan Westphal in den Wolfsburger Nachrichten. Verschärft wurde die Lage durch die Haltung der Italiener: Sie lehnten die deutsche Sonderschule ab. Die Eltern schickten ihre Kinder einfach nicht dort hin. Die Schule musste sie irgendwann als fehlend melden. Die Spirale von Schulversagen und Verweigerung war in Gang gesetzt.

Die kommunale Studie aus dem Jahre 1978 förderte zutage: 1759 Kinder besuchen 1978 die Grundschulen. Von ihnen sind 188 Ausländer. Zurückgestellt vom Schulbesuch werden 10,4 Prozent der deutschen Kinder, 17,6 Prozent ausländischer Mädchen und Jungen, aber 18,4 Prozent der Italiener. Es gibt 417 Klassen mit Italiener-Kindern, oft sind es nur 1–2 je Klasse. Das ist in 67,4 Prozent der Klassen der Fall. An den Schulformen sind 188 Ausländer an der Orientierungsstufe, 143 an den Hauptschulen, 565 an den Grundschulen. Realschulen besuchen mit 62 Schülern gerade einmal 2 %, Gymnasien mit 62 nur 1,2 %. Auf den Sonderschulen stellen sie mit 97 aber 9,4 %. Aus der Gruppe der italienischen Kinder bleiben 43,9 % ohne Schulabschluss, aber nur 6,3 % Deutsche. Den Realschul-Abschluss erreichen 8 Ausländer, das Abitur 3. An den Berufsschulen sieht es nicht viel besser aus: 4365 Deutsche im Alter von 16 – 18 Jahren sind eingeschrieben. Dazu kommen 369 Ausländer (29 %). Die Folge ist auch hier: Es gibt oft weder eine schulische noch berufliche Ausbildung.

Das Land Niedersachsen reagierte, auch aufgrund der Proteste aus Wolfsburg: Es ließ die Erprobung zweisprachiger Klassen in Grundschule, Orientierungsstufe und Hauptschule durch „geeignete ausländische Lehrer“ in den Fächern Muttersprache, Religion, Landeskunde, Sachunterricht, Welt- und Umweltkunde zu. In einem zweiten Erlass wurde die Muttersprache als 2. Fremdsprache anerkannt. Die Stadt Wolfsburg schuf umgehend neue Voraussetzungen. So wurden im Juni 1979 neue Räume der Hausaufgabenhilfe in Kästorf eingeweiht. Daran nahm Konsul Paolo Scarso teil. Im September bot die Stadt ein Seminar für Lehrer ausländischer Kinder an. 30 Lehrer lernten freiwillig Italienisch.

Trotzdem blieb die Lage unbefriedigend. Im Mai 1980 schreiben Lorenzo Annese und Toni Cerlenizza, beide Mitglieder des VW-Betreibsrates: Botschafter Ferraris müsse in Rom für ein Vizekonsulat Wolfsburg eintreten, italienische Lehrer entsenden, bessere Betreuung von italienischen Schülern gewährleisten. Zudem nahm im Juli 1980 eine Gruppe von Studenten aus Hannover in Kästorf Untersuchungen auf. Die Einrichtung von Ausländerreferat und Ausländerausschuss zeigte Wirkungen auf die kommunale Bildungspolitik.
 

Neue Bildungs-Angebote

Fast zehn Jahre später hat sich nicht viel verändert. Eine neue Bestandsaufnahme ergab, dass in den Klassenstufen 1 – 10 immer noch 6,7 Prozent der Sonderschüler Italiener sind. 1978/79 waren es noch 9,5 Prozent. Wolfsburg reagierte mit neuen Angeboten. So wurde die Möglichkeit, Italienisch als 2. Fremdsprache an Realschule und Gymnasien zu wählen, unterstützt. Aber nur wenige Kinder besuchten diese Schulen. Für die Realschule wurde die Zahl möglicher Schüler von der Stadtverwaltung als noch ausreichend, für die Gymnasien als unzureichend für das Schuljahr 1986/87 eingestuft. So ersuchte die Stadt den Kultusminister, konzentriert an der Gerhart-Hauptmann-Realschule Italienisch als 2. Fremdsprache zuzulassen. Die 1960 gegründete Schule verfügte über eine komfortable Unterrichtsversorgung von 110 Prozent.

Ein weiteres Angebot machte die Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule. Auch dort wurde Italienisch als 2. Fremdsprache angeboten, konnte fortan der muttersprachliche Italienisch-Unterricht bis zur 10. Klasse fortgeführt werden. Schüleraustausch mit Turin und Integrationsprogramme in der Region Latium flankierten dies. Das inzwischen gegründete Italienische Kulturinstitut unterstützte diese Bestrebungen zusätzlich zu denen der konsularischen Vertretungen Roms.

1990 gab es einen Kongress im Schloss Wolfsburg, in dessen Ergebnis die Forderung nach einer deutsch-italienischen Schule in Wolfsburg erhoben wird. Wissenschaftlicher Berater ist Professor Dr. Uwe Sandfuchs (damals Universität Hildesheim). Die Idee nahm Gestalt an. Konkrete Planungen begannen. Hannover genehmigte. Wolfsburg beantragte. Italien befürwortete. Die Presse unterstützte das Vorhaben publizistisch.
 

Deutsch-Italienische Schule

Schulgeschichte2Mit einem italienischen Lied Händels begann und mit einer deutschen Arie desselben Komponisten beendete das Trio Varieantatis den Festakt zur Unterzeichnung des Protokolls über die erste deutsch-italienische Grundschule in der Bundesrepublik. Oberbürgermeister Werner Schlimme würdigte dies als „weiteren Schritt zur europäischen Stadtkultur“. Roms Botschafter Umberto Vattani bezeichnete Wolfsburg als die Stadt, „die beweist, dass der Mensch alles erreichen kann“. Insbesondere würdigte Vattani, dass die Italiener auf allen Ebenen der Volkswagen AG, in der Stadtverwaltung und im öffentlichen Leben Wolfsburgs vertreten seien als ein Zeichen „demokratischer Teilhabe“. Das war im Dezember 1992. Ein Jahr später, im August 1993 nahm die Schule ihren Betrieb auf.

Schon im Juni 1997 kam erneut der Botschafter Roms. Enzo Perlot und Minister Rolf Wernstedt unterzeichneten den Ausbau der deutsch-italienischen Schule im Sekundarbereich als selbstständige Schule wie dies die Elternschaft gefordert hatte. „Das war Vordenken und Mitarbeiten zugleich“, lobte Schuldezernent Dr. Wolfgang Guthardt das Engagement des Schulelternrates. Es ist die erste bilinguale Gesamtschule in Deutschland. Diesmal zeigten schon Jungen und Mädchen der 3a unter der Leitung ihrer Lehrerin Loredana Balduzzi, wie interkulturell sie zu singen und tanzen verstehen. 1999 werden Grund- und Sekundarschule vereinigt, administrativ und pädagogisch. 2010 erfolgte mit dem Ende des Modellversuchs erneut die administrative Trennung.

Schulgeschichte3Die Schule erfüllte die in sie gesetzten Erwartungen. Es gibt bisher in 18 Jahren nur 6 Sonderschulzuweisungen. Jeder Schüler verlässt die DIGS mit einem Abschluss, zumeist sogar einem weiterführenden Realschulabschluss bzw. dem erweiterten Sek-I-Abschluss. Die insgesamt 19 Schüler ohne Abschluss werden in die Berufsbildende Schule begleitet und machen dort ihren Weg. Seit 2006 machen jährlich zwischen 10 und 15 ehemalige DIGS-Schüler nach dem Besuch der deutschen-italienischen Oberstufenprofils am Gymnasium Kreuzheide das Abitur. Hinzu kommen jene, die auf anderen Schulen das Reifezeugnis erwerben. Diese Schule wird seit Beginn des Schuljahres 2009/10 als Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule weitergeführt.

Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule, den Namen des bekannten Erfinders, Malers und Künstlers trägt eine besondere Schule in Wolfsburg. Sie führt von Klasse eins bis zum Abitur, dies ab Klasse 11 in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Kreuzheide. Das Besondere ist, dass Schüler aus italienischen und deutschen Familien zu etwa gleicher Zahl dort unterrichtet werden. Sie erhalten Unterricht in beiden Sprachen, lernen dazu Englisch und zum Teil auch Französisch. Unterstützt wird diese Schule vom Außenministerium in Rom, das gemäß Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen italienische Lehrer nach Wolfsburg entsendet.

So hat Niedersachsen einen Teil seiner Souveränität in Schulfragen mit der Italienischen Republik geteilt. Für die Schüler ist allein dies ein wichtiger Vorzug. Sie lernen die Angehörigen eines anderen EU-Landes in einem qualifizierten Beruf kennen, können von diesen benotet und beurteilt werden. Die Italiener lernen, dass ihre Sprache eine wichtige Kultursprache ist, ihr Land zu den führenden Kulturnationen Europas zählt und ihr Volk wichtige technische Errungenschaften entwickelt hat. Beide erfahren, dass die Sicht auf Ereignisse unterschiedlich sein kann. So bewerten Deutsche und Italiener bekanntlich den Gang Kaiser Barbarossas nach Canossa sehr unterschiedlich.

Die Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule ist eine staatliche Schule, die nach den Rahmenrichtlinien des Landes Niedersachsen arbeitet. Im Unterschied zu anderen Schulen werden die Schüler von Anfang an mit zwei Sprachen vertraut gemacht. Deutsche und italienische Lehrkräfte unterrichten sie, teilweise gemeinsam. Das beginnt in Klasse eins. Von Anfang an erfolgt die Alphabetisierung in beiden Sprachen. Im Fach Sachkunde unterweisen ein italienischer und ein deutscher Lehrer die Kinder gemeinsam in beiden Sprachen. Im Sekundarbereich gilt dies analog für das Fach Gesellschaftslehre.

Wichtig ist im Primarbereich, Klasse eins bis vier, auch das aus Italien übernommene Modulsystem. Drei bis vier Lehrer arbeiten pro Jahrgang gemeinsam mit den beiden Parallelklassen. So entsteht auch ein einheitliches Lernniveau, werden die einzelnen Schüler von mehreren Lehrern gesehen und beurteilt, auch gefördert und gefordert. Im Sekundarbereich setzt sich dies fort als Klassenlehrer-Team. Zwei Tutoren, möglichst je ein deutscher und italienischer Lehrer, sind gemeinsam verantwortlich für eine Klasse. Zudem unterrichtet ein festes Jahrgangslehrkräfteteam bis auf wenige Ausnahmen alle anfallenden Stunden eines Jahrganges und begleitet seinen Jahrgang von Klasse 5 bis 10.

Die bikulturelle Erziehung ist ein wichtiges Prinzip dieser Schule und wirkt sich auf den Schulalltag wie das Schulleben aus. Besonderheiten der jeweils anderen Kultur werden im Unterricht vermittelt und im Alltag erlebt. Das gilt für Bräuche, Feste, Esskultur, Theater, Lieder und Spiele, für die Befana ebenso wie für die Ausrufung der Republik.

In gemeinsamer Planung von Kollegium, Elternschaft und Freundeskreis hat sich ein reichhaltiges Schulleben entwickelt. Es umfasst Karnevalsfeste, Sportfeste, Einschulungsfeiern, Schulfeste, Lesungen, Theateraufführung im Stile der Commedia dell’arte. Für alle vierten Jahrgänge ist die Einstudierung einer Commedia-dell-arte-Aufführung obligatorisch. Sie wird fächerübergreifend entwickelt und öffentlich aufgeführt.

An dieser integrierten Gesamtschule können die Schüler alle Abschlüsse bis Klasse 10 erreichen, also mit dem Zeugnis der Hauptschule, der Realschule oder dem Erweiterten Sekundarabschluss II abgehen. Dieser berechtigt zum Besuch einer Oberstufe, die zum Abitur führt. Die Oberstufe mit deutsch-italienischem Profil ist am Gymnasium Kreuzheide angesiedelt. Die DIGS kooperiert. Seit 2006 haben insbesondere viele Italiener, unter ihnen sehr viele Mädchen, das Abitur erreicht. Auch sonst verlassen fast alle Schüler diese Schule mit einem Abschluss. Damit erfüllt sie die Idee ihrer Gründer.

Mit Beginn des Schuljahres 2009/2010 ist diese Schule in Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule umbenannt worden und im Sekundarbereich um drei weitere Klassen erweitert worden. Das sind zunächst drei fünfte Klassen, die nach der üblichen Stundentafel einer integrierten Gesamtschule geführt werden. Damit sichern Italien, Niedersachsen und Wolfsburg den Fortbestand über den im Juli 2010 auslaufenden Modellversuch hinaus.

Besonders aktiv hat die Elternschaft diese Schule mitentwickelt, zumeist über ihre gewählte Vertretung. Über die schulischen Fragen hinaus unterstützt sie der Deutsch-Italienische Freundeskreis. Diese Gesellschaft finanziert Projekte, Workshops, gewährt Zuschüsse zu Klassenfahrten, verwaltet die Mediathek, die Mensa und organisiert den Bustransfer in den Klassen eins und zwei.
 

Mit Gigi und Bobo, dem Teddy

„Buon giorno. Come stai?“ (wie geht’s?) Mit dem Maskottchen Gigi in der Hand begrüßt Erzieherin Maria La Terra die kleine Valeria. Die Fünfjährige antwortet ohne nachzudenken: „Bene“. Wie etwa 20 bis 25 andere Kinder besucht das Mädchen Wolfsburgs erste deutsch-italienische Kindergartengruppe in der katholischen Kindertagesstätte St. Christophorus. Die Gruppe ist gemischt. Einige Kinder sprachen nur Italienisch, andere nur Deutsch, als sie kamen. Bevor es diese Gruppe gab, sagt Kita-Leiterin Christiane Brand, hätten italienische Kinder die ersten Wochen im Kindergarten wortlos in der Ecke gesessen. Die Erzieherinnen bringen den Kindern die Sprache mit Liedern, Spielen und Theaterstücken bei. Es gibt zwei Maskottchen. Die Puppe Gigi spricht nur Italienisch und versteht nur Italienisch. Bobo, der Teddy, spricht und versteht nur Deutsch. Die Gruppe wurde im Kindergartenjahr 2004/05 eingerichtet.

Unterstützt wird das Projekt vom Italienischen Kulturinstitut und der Deutsch-Italienischen Gesamtschule. So ist Musiklehrer Luigi Sorgente eingebunden, gibt es Besuche in der DIGS, unter anderem zu Aufführungen der Commedia dell’arte. Dies gilt auch für die zweite deutsch-italienische Kindergartengruppe, die kurze Zeit später in der evangelischen Kindertagesstätte St. Thomas eingerichtet worden ist für etwa 20 bis 25 Kinder. Die Pinocchio-Gruppe ist sogar auf dem Gelände der DIGS im einstigen Schulkindergarten untergebracht. Das schafft eine besondere Nähe. Es ist ein 92 Quadratmeter großer Raum mit sanitären Einrichtungen und dem Wandgemälde der Wolfsburger Kunstpreisträgerin Helga Pape. Nach dem Einsprachenprinzip spricht hier Angela Nanazza allein Italienisch mit den 3- bis 6-Jährigen, Francesca Posillico nur Deutsch. So lernen sie früh, Sprachen zu unterscheiden, aber auch zu achten.